|
MEIN DEBÜT UND MEIN ERSTER TREFFER
Mein
Debüt gegen Dänemark
Am 3. Juli
1993 ging für mich ein Traum in Erfüllung, das war großartig. Wir
spielten bei der EM in Italien im Spiel um Platz 3 gegen Dänemark
und ich war wirklich froh, nicht von Anfang an spielen zu müssen.
Denn ich habe mich noch gar nicht dazugehörig gefühlt. Ich hatte
unendlich großen Respekt und habe gar nicht richtig kapiert, warum
ich überhaupt ein Teil dieser Eliteauswahl war. Alle Spielerinnen
schienen von ihren Leistungen noch so weit über mir zu sein.
Spielerinnen wie Silvia Neid, Silke Rottenberg, Martina Voss, Heidi
Mohr, Anouschka Bernhard, Birgit Austermühl, Dagmar und Kerstin
Pohlmann und viele mehr. Da waren so reife und erfahrene Spielerinnen
dabei, dass ich dachte: Da gehörst Du nicht hin. Die Nationalhymne
konnte ich auch noch nicht, wofür ich mich wirklich geschämt habe.
Das habe ich mit den vielen Länderspielen aber dann schnell hinbekommen,
nachdem mir alle klar gemacht haben, wie wichtig das ist.
Ich wurde nach einer Stunde eingewechselt, wir lagen schon 1:3 zurück.
Als ich auf den Platz kam, wirkte er auf einmal viel größer als
sonst, weil ich so angespannt war. Mit der Zeit wurde ich dann lockerer.
Aber ich war bei allen meinen Länderspielen aufgeregt, auch wenn
ich das Drumherum nie so mitbekommen habe. Für mich war immer wichtig,
dass der erste oder zweite Ballkontakt gut funktioniert. Zum Glück
hat das immer gut geklappt. Anfangs war es schon sehr spannend.
Man kannte die gegnerischen Spielerinnen nicht, alles war Neuland.
Ich habe mich gefragt, ob meine Gegnerinnen schneller sind als ich.
Es wurden einem schon viele Fähigkeiten abverlangt. Aber durch das
Training war ich gut vorbereitet.
Ich kann es bis heute noch nicht glauben, dass ich so viele Spiele
gemacht habe. Wenn ich auf der Straße angesprochen werde, schmunzle
ich und finde es schön. Das hätte ich mir als junges Mädchen nicht
träumen lassen.
Mein erstes Tor
So ein Ereignis
vergisst man nicht, das war witzig. Wir haben die Partie gegen Wales
mit 12:0 gewonnen. Ich spielte auf der Außenbahn und habe das Tor
zum 10:0 erzielt. Und das mit dem linken Fuß! Heidi Mohr hatte vom
linken Flügel den Pass gegeben. Trotzdem war ich immer noch ein
Küken im Team, aber die ganze Mannschaft hat uns junge Spielerinnen
sofort integriert. Es war also ein relativ leichter Einstieg und
wir kamen uns nicht ausgeschlossen vor. Natürlich durften wir Kleinen
damals noch die Bälle schleppen, das ist heute anders.
Wenn ich in
den Fahrstuhl eingestiegen bin, habe ich mich nicht getraut, eine
andere Spielerin anzusprechen, so groß war der Respekt. Man hat
gehofft, dass sie einen ansprechen. Tina (Theune-Meyer) haben die
älteren Spielerinnen später ja geduzt, wir mussten immer Sie sagen.
Das hat mich ganz schön verunsichert. Ich konnte Tina auch nie in
die Augen sehen. Am Schlimmsten war es im Bus vorne, wenn sie mich
zu sich gerufen hat und mir gesagt hat, was ich besser machen kann.
Ich hatte immer das Gefühl, sie kann in mir lesen, wie in einem
Buch. Ich war unglaublich schüchtern.
Wie hätte ich
auch nur ahnen können, dass ich je einmal Leistungsträgerin oder
Führungsspielerin werden könnte?
|