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DER GROSSE DURCHBLICK
BEI DER EUROPAMEISTERSCHAFT 1997 IN NORWEGEN / SCHWEDEN
Nach meiner
kurzen Pause bin ich 1996 in die Nationalmannschaft zurückgekehrt.
Die Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Atlanta habe ich
mitgemacht, doch ich wurde nicht nominiert. Durch einen Zufall -
ich glaube, Doris Fitschen hatte sich verletzt - kam ich dann auf
die Libero-Position und habe die EM 1997 in der Abwehr gespielt,
Doris dann als Vorstopperin, wenn ich das richtig in Erinnerung
habe. Ich wurde bei der EM viermal zur Spielerin des Spiels gewählt.
Und das als Abwehrspielerin, das war schon toll. Man muss allerdings
sagen, dass Mannschaften wie Norwegen oder Dänemark damals noch
ausschließlich mit langen Bällen gespielt haben. Ich musste die
Bälle einfach alle raus hauen, die auf mich zukamen. Da war es nicht
schwer, beste Spielerin zu werden, da waren keine kreativen Elemente
gefragt.
Dieses Turnier
war mein Durchbruch, dort habe ich mir die Anerkennung erspielt.
Ich kann mich noch erinnern, dass Tina sich immer einen Spaß daraus
gemacht hat, weil ich vor Nervosität ständig auf die Toilette musste.
"Geh lieber noch mal", hat sie oft zu mir gesagt, das war schon
lustig. Ich muss sagen, Tina und auch Silvia hatten immer ein Händchen
dafür, mit Spielerinnen umzugehen, sie zu motivieren und richtig
einzustellen.
DER
RÜCKSCHLAG BEI DER WM 1999
Dann kam ja
schon bald die WM 1999 in den USA. Die anderen Mannschaften hatten
einen wahnsinnigen Respekt vor uns, denn unsere Abwehr war das Prunkstück,
auf das wir alles aufgebaut haben. Wir waren fast unschlagbar. Doch
bei diesem Turnier haben die Medien mein Spiel negativ beeinflusst.
Denn die Geschichte mit meinem Vater, der in den USA lebt, wurde
hochgespielt. Weil ich Englisch sprechen konnte, musste ich von
Beginn an oft Interviews geben und ich habe natürlich nicht Nein
gesagt, weil es schön war, im Rampenlicht zu stehen. Die amerikanischen
Journalisten wollten daraus ein richtiges Spektakel machen, eine
Vater-trifft-Tochter-Story. Ich habe mich einfach ablenken lassen
und kein gutes Turnier gespielt. Ich wurde zu Recht kritisiert.
Ich war nicht extrem schlecht, aber ich war nicht der gewohnte Rückhalt.
Ich habe diese
WM in meiner Erinnerung ziemlich verdrängt und gar nicht mehr so
präsent. An viele Spielszenen kann ich mich gar nicht mehr erinnern,
obwohl ich sogar ein Tor geschossen habe.
Das Spiel gegen
die USA im Viertelfinale war ein einziges Auf und Ab. Wir gingen
in Führung, dann fiel der Ausgleich. Dann lagen wir wieder vorne,
doch am Ende haben wir noch verloren. Das war wirklich schlimm,
und wenn man dann auch noch schlecht spielt, verdrängt man so ein
Turnier einfach und hakt es ab.
Aber auch diese
Erfahrung war wichtig und hat mich einen Schritt weiter gebracht.
Ich war mir sicher, dass ich dies nicht auf mir sitzen lassen würde.
Ich habe nie aufgegeben, an mir zu arbeiten. Wir kamen zurück und
mein damaliger Trainer in Bad Neuenahr, Iraklis Metaxas, hat mich
aus der Schusslinie genommen und mir die Zeit gegeben, wieder zu
mir zu finden. Das hat mir sehr gut getan und mir für die anstehenden
Aufgaben geholfen.
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